„Wenn das Amt es könnte, es würde von Herrn Wulff zurücktreten“

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Die gut gefüllte Schenklengsfelder Sporthalle. Foto: nh

Die gut gefüllte Schenklengsfelder Sporthalle. Foto: nh

Schenklengsfeld. Rund 1.000 Menschen sind am heutigen Samstag zum Neujahrestreffen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Bezirk Kassel, nach Schenklengsfeld gekommen.

Zu Beginn der traditionellen Veranstaltung konnte IG BCE-Bezirksleiter Friedrich Nothhelfer gute Neuigkeiten verkünden: „Wir haben rund 250 Mitglieder mehr als vor einem Jahr.“ Damit sei die Zahl der Mitglieder um 1,2 Prozent auf 21.737 gestiegen. „Unsere Arbeit kommt an, wir sind in den Betrieben verwurzelt“, sagte er.

Friedrich Nothhelfer, IG BCE-Bezirksleiter. Foto: nh

Friedrich Nothhelfer, IG BCE-Bezirksleiter. Foto: nh

Missbrauche der Leiharbeit bewegte Redner und Publikum

Die Festrede in der gut gefüllten Schenklengsfelder Sporthalle hielt das IG BCE-Hauptvorstandsmitglied Peter Hausmann. Den stärksten Applaus erhielt er, als er prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Zeitarbeit anprangerte. Dem Missbrauch der Leiharbeit müsse endlich ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben werden, sagte Hausmann in Richtung der Bundesregierung. „Arbeit, die arm macht und von der man nicht leben kann, kann nicht das Ziel sein“, sagte er. Es sei zudem nicht einsehbar, dass für die gleiche Arbeit unterschiedliche Entgelte gezahlt würden.

Tarifverhandlungen: Ordentlicher Zuwachs wird erwartet

Von den diesjährigen Tarifverhandlungen erwartet die IG BCE laut Hausmann „gute Zuwächse in den Portmonees der Arbeitnehmer“. Die Betriebe seien in einer guten Situation und erzielten gute Gewinne. „Es gibt keinen Anlass zur Trübsal, unsere Branche steht ausgesprochen robust da.“ Es deute sich aber bereits an, dass die Arbeitgeber kaum bereit seien, die Gewinne angemessen mit den Beschäftigten zu teilen. Gewerkschaft und Arbeitnehmer müssten sich daher auf eine intensive Auseinandersetzung einstellen.

Der Gewerkschafter ging auch auf die anhaltende Diskussion um die Amtsführung von Bundespräsident Christian Wulff ein. „Der Bundespräsident als moralische Instanz, als ethische Leitfigur – dieser Aufgabe kann Herr Wulff nicht mehr gerecht werden“, sagte Hausmann. Zwar könne Wulff seine Zeit im Amt absitzen. „Es wird ihn aber keiner mehr ernst nehmen.“ Das von starkem Applaus quittierte Fazit von Hausmann lautete: „Wenn das Amt es könnte, es würde von Herrn Wulff zurücktreten.“

IG BCE-Hauptvorstandsmitglied Peter Hausmann. Foto: nh

IG BCE-Hauptvorstandsmitglied Peter Hausmann. Foto: nh

Viele Gäste aus Politik und Wirtschaft kamen

Das hörten nicht die zahlreichen Gewerkschafter im Saal, sondern auch die Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die wie in den Vorjahren von der IG BCE eingeladen worden waren. So begrüßte die Gewerkschaft den Kasseler Regierungspräsidenten ebenso wie den Landrat des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Gekommen waren zudem Bürgermeister und Abgeordneter verschiedener Parlamente. Das Neujahrestreffen der IG BCE ist das größte Treffen von Gewerkschaften in Nordhessen.

IG BCE betreut im Bezirk zehn Betriebe neu

IG BCE-Bezirksleiter Friedrich Nothhelfer war zufrieden mit dem Neujahrestreffen. Nicht zuletzt, weil er in seiner Rede auch berichten konnte, dass die IG BCE im Jahr 2011 zehn Betriebe neu in die Betreuung aufgenommen hat. „Wir kümmern uns jetzt in über 90 Betrieben um die Interessen der Beschäftigten“, sagte Nothhelfer. Ganz in dem Sinn, den IG BCE-Vorstand Peter Hausmann in seiner Rede als Fundament der gewerkschaftlichen Arbeit bezeichnet hatte: ““eilhabe und Mitbestimmung, Gerechtigkeit und Menschenwürde.“

...und „Dicke-Backen-Musik“ gab es auch... Foto: nh

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3 Kommentare

  1. Hat der schon was wichtiges geleistet, außer Parteikriecherei?

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  2. Herr Peter Hausmann (Mitglied der SPD seit 1982) missbraucht wie so viele Gewerkschafter seine Organisation, um Parteipolitik zu betreiben. Zu Herrn Wulff darf er eine private Meinung haben, aber wenn er in Funktion des Gewerkschaftsfunktionäre spricht, muss das in den Hintergrund treten. Diese ewige Vermischung aus Gewerkschaft und Linkspartei sowie aus Gewerkschaft und SPd muss beendet werden. Gewerkschaften sind per se kein Ort für Parteipolitik. Auch Christdemokraten, Liberale, Parteilose gehören zu den Gewerkschaften.

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