Einst Z3, jetzt d13: Konrad Zuse wird documenta-Star

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Das Foto zeigt Konrad Zuse Mitte der 80er Jahre mit Mitarbeitern der Software Firma InterFace Connection GmbH (heute InterFace AG) in seinem Atelier. Deren Geschäftsführer Roland M. Dürre erinnert sich: „Zuses Atelier war voll von schönen Bildern mit kühnen Stadtvisionen.“ Foto: www.interface-ag.com/open/

Das Foto zeigt Konrad Zuse Mitte der 80er Jahre mit Mitarbeitern der Software Firma InterFace Connection GmbH (heute InterFace AG) in seinem Atelier. Deren Geschäftsführer Roland M. Dürre erinnert sich: „Zuses Atelier war voll von schönen Bildern mit kühnen Stadtvisionen.“ Foto: www.interface-ag.com/open/

Kassel/Bad Hersfeld. Posthum wiederfährt einem der großen Söhne der Stadt Bad Hersfeld eine Riesenehre: Bei der diesjährigen documenta (vom 9. Juni bis 16. September 2012) ist Konrad Zuse als Künstler vertreten. Das zumindest meldet die Süddeutsche Zeitung, der eine erste Künstlerliste vorliegt. Schon im vergangenen September hatte Carolyn Chris­tov-Bakargiev, künstlerische Leiterin der documenta (13), in einer Dia-Schau die kommenden documenta-Künstler vorgestellt. Damals zu sehen: Konrad Zuse. Die alle fünf Jahre stattfindende documenta gilt als die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst.

Konrad Zuse war nicht nur der Erfinder des Computers, sondern auch ein passionierter Künstler. Er war Autodidakt und galt als begabter Amateur, der einen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelte. Auf seine mangelnde künstlerische Ausbildung angesprochen, soll er einmal schlagfertig erwidert haben: „Aber ein Informatikstudium habe ich auch nicht.“

Familie im Ford, Gouache, ca. 1930. Schon als Schüler zeigte Zuse sein Talent zum Zeichnen. Um 1930 versuchte er sich als Werbegrafiker bei der Firma Ford. Nach dem Ausscheiden aus der Zuse KG widmete er sich weitgehend der Malerei. Foto: Staatliche Graphische Sammlung

Familie im Ford, Gouache, ca. 1930. Schon als Schüler zeigte Zuse sein Talent zum Zeichnen. Um 1930 versuchte er sich als Werbegrafiker bei der Firma Ford. Nach dem Ausscheiden aus der Zuse KG widmete er sich weitgehend der Malerei. Foto: Staatliche Graphische Sammlung

Schon in jungen Jahren entdeckte Zuse (geb. am 22. Juni 1910 in Deutsch-Wilmersdorf bei Berlin) sein künstlerisches Talent. Aus seiner Schulzeit sind zahlreiche Zeichnungen, vor allem Karikaturen seiner Lehrer, erhalten. Später versuchte er sich als Werbegrafiker, scheiterte aber. Doch seine Liebe zur Kunst blieb bestehen und im Laufe seines Lebens malte er über 500 Bilder, zumeist expressionistische Phantasiebilder mit architektonischen und technischen Motiven. Später malte er auch realistische Darstellungen, ­darunter eine Serie von Portraits berühmter Computerpioniere. Noch kurz vor seinem Tod im Jahre 1995 fertigte er ein Portrait von Microsoft-Gründer Bill Gates an, das er ihm auf der Computermesse Cebit zum Geschenk machte.

Das Konrad-Zuse-Museum in Hünfeld widmet sich in seiner Ausstellung dem Menschen und Künstler Konrad Zuse, und auch im Astronomisch-Physikalischen Kabinett der Kasseler Orangerie sind – neben Zuses technischen Erfindungen – auch einige seiner Bilder zu sehen.

In welchem Zusammenhang Zuse auf der documenta präsentiert werden wird, darüber wollte die documenta-Leitung noch nichts verraten.
Auf KA-Nachfrage bestätigte aber der Düsseldorfer Sammler Friedrich Genser, dass er der documenta Zuse-Bilder aus seinem Besitz zur Verfügung gestellt habe, aber auch er wollte dem künstlerischen Konzept der Ausstellungsmacher nicht vorgreifen.
Allerdings ist einer der Themenschwerpunkte Wissenschaft bzw. die Verwischung der Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft. Und im Bereich „künstlerische Archäologie“ ist mit David Link auch ein Computerkünstler vertreten, der sich mit der „Frühgeschichte der computerisierten Texterzeugung“ befasst. Man darf also gespannt sein, wo und wie Konrad Zuse da hineinpasst.
Zuse selbst pflegte übrigens künstlerisches und technisches Interesse zu trennen: Seine Computer zum Erstellen von Grafiken zu nutzen, sei ihm nie in den Sinn gekommen, bekannte er.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von: www.horst-zuse.homepage.t-online.de/, www.interface-ag.com/open/, Staatliche Graphische Sammlung in München, Wolfgang Hunscher

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EXTRA HINTERGRUND

Konrad Zuse und Bad Hersfeld

1949 gründete Zuse, der im Jahr 1941 mit dem Z3 den ers­ten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitkommarechnung arbeitenden Computer der Welt entwickelt hatte, in Neukirchen (im damaligen Kreis Hünfeld) die Zuse KG. 1957 siedelte die Firma nach Bad Hersfeld über und hatte fortan ihren Sitz in der Wehneberger Straße, auf dem Gelände der früheren Tuchfabrik Rehn.

Hier entstanden unter anderem die wesentlich verbesserten Modelle Z22 (in dem erstmals Röhren- und Magnetspeichertechnik zur Anwendung kam) und Z23 (auf Transistor-Basis) ebenso wie der erste Grafikplotter, der Z64 Graphomat.

Das schnelle Wachstum überforderte die Firma jedoch und die Banken waren nur gegen hohe Zinsen bereit, Kredite für das ihnen unbekannte Computergeschäft zu geben. Als es zu Verzögerungen bei der Auslieferung der Z25 kam, stand die Firma vor dem Ruin.

1964 stieg Zuse als aktiver Teilhaber aus und die Firma wurde von Brown, Boveri & Cie. (BBC) übernommen.

1967 übernahm die Siemens AG 70 Prozent der Anteile an der Zuse KG von Brown, Boveri & Cie, später kaufte sie auch die übrigen 30 Prozent auf. Nach der Übernahme wurde die Computerproduktion am Standort Bad Hersfeld in den 70er Jahren eingestellt.

Im Jahr 2005 wurde zu Ehren des berühmten Bürgers die  Bronzestatue des Bildhauers Andreas Krämmer im Stiftsbezirk aufgestellt.

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Über Karsten Knödl

Redaktionsleiter | Kreisanzeiger Hero Medien GmbH

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